VITAMIN-D-MANGEL

Warum dein Körper im Winter nach mehr verlangt — und wie du es ausgleichst

Müdigkeit, schlechte Laune, häufige Infekte — viele dieser Beschwerden haben im Winter eine gemeinsame Ursache: zu wenig Vitamin D. Was die Forschung dazu sagt und was wirklich hilft.

By Dr. Anna Berger, Fachärztin für Allgemeinmedizin8 min read
Warum dein Körper im Winter nach mehr verlangt — und wie du es ausgleichst
Sonnenlicht ist die wichtigste Quelle für Vitamin D — im Winter reicht es in Mitteleuropa kaum aus.

Es ist November. Draußen grau, drinnen warm. Du fühlst dich schlapp, konzentrierst dich schlechter als sonst, und der vierte Infekt in diesem Jahr kündigt sich an. Vielen Menschen geht es so — und ein wesentlicher Faktor wird dabei oft übersehen: Vitamin D.

Was Vitamin D im Körper macht

Vitamin D ist streng genommen kein Vitamin, sondern ein Steroidhormon, das nahezu jede Zelle im Körper beeinflusst. Es reguliert den Kalziumhaushalt, stärkt das Immunsystem, unterstützt die Muskelkraft und ist an der Stimmungsregulation beteiligt.

80%der österreichischen Bevölkerung haben im Winter zu niedrige Vitamin-D-Werte (Nationaler Ernährungsbericht 2024)

Das Problem: Vitamin D wird hauptsächlich durch Sonnenlicht gebildet — genauer gesagt durch UV-B-Strahlung auf der Haut. In Mitteleuropa ist diese Strahlung zwischen Oktober und März so schwach, dass der Körper kaum noch Vitamin D produzieren kann.

Die stillen Zeichen eines Mangels

Ein Vitamin-D-Mangel zeigt sich selten dramatisch. Stattdessen schleicht er sich ein:

  • Anhaltende Müdigkeit trotz ausreichend Schlaf
  • Häufige Erkältungen oder Infekte
  • Muskelschmerzen und Schwäche
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Niedergeschlagenheit, die man dem „Winterblues" zuschreibt

Wie viel brauche ich?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt 800 IE (Internationale Einheiten) täglich für Erwachsene, die nicht ausreichend Sonne tanken. Viele Experten halten diesen Wert für zu niedrig — in der Praxis werden bei Mangel häufig 1.000 bis 2.000 IE täglich empfohlen.

Entscheidend ist der Blutwert: Ein 25-OH-Vitamin-D-Spiegel über 50 nmol/l gilt als ausreichend, über 75 nmol/l als optimal.

Lebensmittel als Quelle — und ihre Grenzen

Über die Ernährung kann man Vitamin D nur begrenzt aufnehmen. Die wichtigsten Quellen:

  • Fetter Fisch (Lachs, Hering, Makrele): 200–400 IE pro Portion
  • Eier (Eigelb): etwa 40–80 IE pro Ei
  • Champignons (UV-bestrahlt): variierende Mengen

Ernährung allein kann einen Vitamin-D-Mangel im Winter nicht beheben. Wer im Oktober schon niedrige Werte hat, braucht mehr als nur mehr Lachs.

Dr. Anna Berger

Supplement: Ja oder nein?

Für Menschen mit nachgewiesenem Mangel ist eine Supplementierung sinnvoll und sicher. Vitamin D3 (Cholecalciferol) wird besser aufgenommen als D2. Viele Experten empfehlen die Kombination mit Vitamin K2, das die Kalziumverwertung reguliert.

Was wirklich hilft

  1. Blutwert messen lassen — mindestens einmal im Herbst
  2. Bei Mangel supplementieren — 1.000–2.000 IE D3 täglich (nach Rücksprache)
  3. Im Sommer Vorrat anlegen — regelmäßige Sonnenexposition zwischen April und September
  4. Mittagssonne nutzen — 15–20 Minuten Arme und Gesicht ohne Sonnenschutz genügen oft

Was du nicht glauben solltest

Viel hilft nicht viel. Sehr hohe Dosen (über 4.000 IE täglich über lange Zeit) können toxisch wirken und zu Hyperkalzämie führen. „Mega-Dosen" ohne ärztliche Kontrolle sind gefährlich.

Fazit

Vitamin-D-Mangel ist im Winter in Mitteleuropa die Regel, nicht die Ausnahme. Die gute Nachricht: Er ist leicht zu messen und mit einfachen Mitteln zu beheben. Wer die Signale seines Körpers ernst nimmt und einmal im Jahr den Blutwert checkt, ist gut aufgestellt.