KOPFSCHMERZ-LEXIKON

Spannungskopfschmerz, Migräne, Cluster: Was du selbst tun kannst

Kopfschmerzen sind das häufigste neurologische Symptom — und werden oft falsch behandelt. Ein Leitfaden, um die häufigsten Typen zu unterscheiden.

Von Dr. Anna Berger, Fachärztin für Allgemeinmedizin7 Min. Lesezeit
Spannungskopfschmerz, Migräne, Cluster: Was du selbst tun kannst
Nicht jeder Kopfschmerz ist gleich — die Unterscheidung bestimmt die richtige Reaktion.

Fast jeder Mensch kennt Kopfschmerzen. Aber nicht jeder Kopfschmerz ist gleich — und der Fehler, alle Kopfschmerzen mit Ibuprofen zu behandeln, kann langfristig mehr schaden als nutzen.

Die drei häufigsten Typen

1. Spannungskopfschmerz

Der häufigste Typ: dumpfer, drückender Schmerz, beidseitig, wie ein zu enger Hut. Kein Pochen, keine Übelkeit, keine Lichtempfindlichkeit.

Ursachen: Muskelverspannungen (Nacken, Schultern), Stress, schlechte Sitzhaltung, Bildschirmarbeit, zu wenig Trinken.

Was hilft: Bewegung, Massage des Nackens, frische Luft, Entspannungsübungen. Schmerzmittel nur bei starkem Schmerz — nicht als Reflex.

2. Migräne

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, kein „starker Kopfschmerz". Merkmale:

  • Einseitig, pulsierend, mittel bis stark
  • Übelkeit, manchmal Erbrechen
  • Licht- und Lärmempfindlichkeit
  • Verschlimmerung bei körperlicher Aktivität
  • Dauer: 4–72 Stunden

Bei etwa einem Drittel der Betroffenen geht eine Aura voraus: Sehstörungen (Flimmern, Gesichtsfeldausfälle), Kribbeln, Sprachprobleme.

15%der Bevölkerung leiden an Migräne — Frauen dreimal häufiger als Männer

3. Clusterkopfschmerz

Selten, aber extrem schmerzhaft — als einer der schlimmsten Schmerzen überhaupt beschrieben. Merkmale:

  • Einseitig, hinter oder um das Auge
  • Bohrend, stechend, unerträglich
  • Begleiterscheinungen: tränende Augen, laufende Nase, Unruhe
  • Dauer: 15–180 Minuten, aber oft mehrmals täglich in Clusterphasen

Cluster tritt meist in Phasen auf — Wochen bis Monate, dann lange Pause.

Wer Clusterkopfschmerz hat, sitzt während der Attacke — Liegen verschlimmert den Schmerz. Bei Migräne ist es umgekehrt.

Wann sofort zum Arzt?

Es gibt Warnsignale, die sofortige medizinische Abklärung erfordern:

  • Schlagartiger, stärkster Kopfschmerz des Lebens (Donnerschlagkopfschmerz)
  • Kopfschmerz mit Fieber, Nackensteifigkeit, Lichtscheu (Meningitis-Verdacht)
  • Kopfschmerz nach Kopfverletzung
  • Neuer Kopfschmerz nach dem 50. Lebensjahr
  • Kopfschmerz mit neurologischen Ausfällen (Lähmungen, Sprachstörungen)
Person hält sich den Kopf
Kopfschmerzen sind ein Signal des Körpers — nicht immer eines, das man ignorieren sollte.

Kopfschmerz durch Schmerzmittel

Das paradoxeste Problem: zu viele Schmerzmittel verursachen Kopfschmerzen. Der sogenannte Analgetika-induzierte Kopfschmerz entsteht, wenn Schmerzmittel an mehr als 10–15 Tagen pro Monat eingenommen werden. Die Therapie: schrittweiser Entzug unter ärztlicher Begleitung.

Kopfschmerzen sind häufig, aber selten harmlos im Sinne von „einfach wegdrücken". Wer versteht, welchen Typ er hat, kann gezielt handeln — und vermeidet den häufigsten Fehler: mehr Schmerzmittel als Lösung.