Fast jeder Mensch kennt Kopfschmerzen. Aber nicht jeder Kopfschmerz ist gleich — und der Fehler, alle Kopfschmerzen mit Ibuprofen zu behandeln, kann langfristig mehr schaden als nutzen.
Die drei häufigsten Typen
1. Spannungskopfschmerz
Der häufigste Typ: dumpfer, drückender Schmerz, beidseitig, wie ein zu enger Hut. Kein Pochen, keine Übelkeit, keine Lichtempfindlichkeit.
Ursachen: Muskelverspannungen (Nacken, Schultern), Stress, schlechte Sitzhaltung, Bildschirmarbeit, zu wenig Trinken.
Was hilft: Bewegung, Massage des Nackens, frische Luft, Entspannungsübungen. Schmerzmittel nur bei starkem Schmerz — nicht als Reflex.
2. Migräne
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, kein „starker Kopfschmerz". Merkmale:
- Einseitig, pulsierend, mittel bis stark
- Übelkeit, manchmal Erbrechen
- Licht- und Lärmempfindlichkeit
- Verschlimmerung bei körperlicher Aktivität
- Dauer: 4–72 Stunden
Bei etwa einem Drittel der Betroffenen geht eine Aura voraus: Sehstörungen (Flimmern, Gesichtsfeldausfälle), Kribbeln, Sprachprobleme.
3. Clusterkopfschmerz
Selten, aber extrem schmerzhaft — als einer der schlimmsten Schmerzen überhaupt beschrieben. Merkmale:
- Einseitig, hinter oder um das Auge
- Bohrend, stechend, unerträglich
- Begleiterscheinungen: tränende Augen, laufende Nase, Unruhe
- Dauer: 15–180 Minuten, aber oft mehrmals täglich in Clusterphasen
Cluster tritt meist in Phasen auf — Wochen bis Monate, dann lange Pause.
Wer Clusterkopfschmerz hat, sitzt während der Attacke — Liegen verschlimmert den Schmerz. Bei Migräne ist es umgekehrt.
Wann sofort zum Arzt?
Es gibt Warnsignale, die sofortige medizinische Abklärung erfordern:
- Schlagartiger, stärkster Kopfschmerz des Lebens (Donnerschlagkopfschmerz)
- Kopfschmerz mit Fieber, Nackensteifigkeit, Lichtscheu (Meningitis-Verdacht)
- Kopfschmerz nach Kopfverletzung
- Neuer Kopfschmerz nach dem 50. Lebensjahr
- Kopfschmerz mit neurologischen Ausfällen (Lähmungen, Sprachstörungen)
Kopfschmerz durch Schmerzmittel
Das paradoxeste Problem: zu viele Schmerzmittel verursachen Kopfschmerzen. Der sogenannte Analgetika-induzierte Kopfschmerz entsteht, wenn Schmerzmittel an mehr als 10–15 Tagen pro Monat eingenommen werden. Die Therapie: schrittweiser Entzug unter ärztlicher Begleitung.
Kopfschmerzen sind häufig, aber selten harmlos im Sinne von „einfach wegdrücken". Wer versteht, welchen Typ er hat, kann gezielt handeln — und vermeidet den häufigsten Fehler: mehr Schmerzmittel als Lösung.
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